19.01.2012

James Siegel: Getäuscht

KLAPPENTEXT 


Paul und Joanna wollen ein Baby. Daher reisen sie nach Kolumbien, um ein Kind zu adoptieren.Doch was wie ein Märchen beginnt, wird zu einem Alptraum.

Joanna und das Kind geraten in die Gewalt des Drogenkartells. Und Paul wird vor eine Entscheidung gestellt: Seine Überzeugungen aufzugeben. Ein Verbrechen zu begehen. Alles aufs Spiel zu setzen, was er besitzt.

Und dann geht die Sache schief (Quelle: Klappentext)

SARAHS MEINUNG 

James Siegel ist mir trotz seines verfilmten Erfolges „Entgleist“ völlig unbekannt. Hätte ich dieses Buch nicht in einem Wichtelpaket geschenkt bekommen, ich hätte nie was von ihm gehört. Ich muss sogar zugeben, dass ich an „Ralph Siegel“ dachte, als ich den Nachnamen las. Doch mit diesem hat der Autor nichts zu tun.

James Siegel hat einen Stil an sich, der seine Leser von der ersten Seite in den Bann zieht. Leicht, aussagekräftig, beschreibend und auf das Wesentliche beschränkt. Man ist von der ersten Minute an mitten im Geschehen. Obwohl die Protagonisten noch fremd erscheinen, hatte ich sofort das Gefühl sie zu kennen. Dieses Gefühl baut sich während des gesamten Thrillers immer mehr aus. Siegel weiß, wie er Personen zu beschreiben hat. Lebendig, einfühlsam, mit eigenen Macken – kurz gesagt sie sind echt. Man kann sich mit ihnen identifizieren, ihre Gedanken nachvollziehen und Handlungen begreifen. Man zittert mit ihnen und spürt den Kampfgeist in jeder Zeile. Zudem entwickeln sich die Charaktere im Verlauf des Buches und werden immer mutiger. Dabei wirkt es jedoch nicht übertrieben.



Auch der Inhalt sorgt für jede Menge Action. Selbst ohne Klappentext ahnt der Leser schon bald, dass es sich hierbei um eine Entführung des Drogenkartells handelt. Die Hintergründe werden jedoch erst mit dem Lesen verständlich. Das eine solche Idee nicht gerade ohne Action verläuft ist jedem klar. Während es am Anfang noch etwas seicht ist, wird es spätestens mit dem Auftauchen der Amme immer rasanter. Immer neue Puzzle-Teile sorgen für überraschende Wendungen, actionreiche Szenen oder turbulente Ereignisse, die sich überschlagen. Langweilig wird es an keiner Stelle. Schließlich kämpft Paul nicht nur um sein Überleben, sondern auch das seiner Familie. Je mehr Informationen des Puzzles an den Tag kommen, desto mehr glaubt der Leser zu wissen wie es ausgeht. Doch James Siegel sorgt auch hier für überraschende Wendungen. Dadurch sorgt er bis zur letzten Seite für Nervenkitzel pur. Abgeschlossen wird die interessante Story, durch einen logischen, interessanten und passenden Schluss. Offene Fragen, die eventuell beim Lesen entstanden sind werden aufgeklärt, sodass man dieses Buch wirklich zufrieden aus der Hand legen kann. Zwar lässt der Autor für eigene Gedankengänge noch etwas Spielraum, aber die beziehen sich eher auf das Grundthema „Adoptionen aus armen Ländern“. So etwas wie unnötige Längen konnte ich im gesamten Buch nicht finden, wodurch das Lesen wirklich ein Genuss voll Spannung ist.

Sie hatten ihn gezwungen, sich selbst zwei Einläufe zu machen, im Abstand von einer Stunde. Während er darauf wartete, dass die Wirkung des zweiten Einlaufs einsetzte, starrte er auf die zweiunddreißig gefüllten Kondome, die bereits in der Mitte des Tische bereitlagen, wobei er versuchte, gegen die aufsteigende Übelkeit anzukämpfen. (Zitat S. 95)
Gerade dieses Grundthema hat der Autor perfekt umgesetzt. Eine gute Recherche und interessante Ansätze, regen definitiv zum Nachdenken an. Er sorgt dafür, dass Personen, die mit dem Gedanken spielen nicht nur das Positive, dass sie ein Kind retten, sehen, sondern auch das Negative – sie rauben dem Land den Nachwuchs und sorgen für Wut auf Ausländer, sehen lernen.

Der Aufbau ist dem Autor in meinen Augen sehr gut gelungen. Zuerst spielt die Geschichte komplett in Kolumbien. Im Verlauf des Buches erfährt der Leser jedoch die Sichtweise von Paul in den USA oder Joanna in Kolumbien. Dadurch ist der Leser viel mehr in die Geschichte involviert. Zeitgleich werden bestimmte Hintergründe in kleinen Extra-Kapiteln in Form von Rückblenden erzählt. Eine schlüssige Handlung durch diesen guten Aufbau.

Die Geschichte hat mir so viel Spaß bereitet, dass ich das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen konnte. Auch wenn es nicht mehr ganz aktuell ist, kann ich das Buch jedem, der sich für einen guten Thriller interessiert, ohne wenn und aber empfehlen. Mich konnte der Autor mit diesem Werk so sehr überzeugen, dass wenn mein Stapel mit ungelesenen Büchern wieder weniger geworden ist, ich mir sicherlich ein anderes Werk aus seiner Feder holen werde. Das spricht definitiv für sein Können.


In einem Satz: Spannung und Nervenkitzel pur!


Autor: James Siegel, Titel: Getäuscht, Originaltitel: Detour

Verlag: Ehrenwirth, Erschienen: 2006

ISBN-10: 3431036988, ISBN-13: 9783431036986

Seiten: 413, Kosten: 6,95€ Amazon

FRAGE AN EUCH:  Für was würdet ihr so viel Kokain schlucken?

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