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05.03.2011

Christina Hachfeld-Tapukai - Der Himmel über Maralal

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===Buchdaten===
Autor: Christina Hachfeld-Tapukai
Titel: Der Himmel über Maralal
Untertitel: Mein Leben als Frau eines Samburu-Kriegers
Verlag: Weltbild
Erschienen: 2009
ISBN-13: 9783868003765
Seiten: 367
Einband: TB
Kosten: 14,99€
Serie: -

===Zitierter Klappentext===
Die Fortsetzung des Bestsellers Mit der Liebe einer Löwin Nach ihrer Versöhnung mit Lpetati erwarten Christina neue Herausforderungen bei den Samburu: Täglich bewältigt sie die Gratwanderung zwischen alten Stammesritualen und ihrem westlichen Denken neu. Sie liebt die Gefahren, Entbehrungen, fremdartigen Traditionen, ist tief verbunden mit ihrer afrikanischen Familie und erliegt immer wieder dem unvorstellbaren Zauber dieser Welt. Schritt für Schritt verschafft sie sich Respekt im Stamm der Samburu, und mit Lpetati verbindet sie eine tiefe Liebe. Doch wird es ihr gelingen, ihre Ziehtöchter vor der Tradition zu schützen?

===Meine Meinung===
Bücher über weiße Frauen, die ihre große Liebe in Afrika suchen, gibt es zahlreiche. Das wohl bekannteste Buch aus dieser Gattung trägt den Titel „Die weiße Massai“. Dieses Werk wurde nicht nur verfilmt, sondern von Millionen Lesern gelesen. Dementsprechend war ich gespannt, wie andere Frauen darüber berichten.

„Der Himmel von Maralal“ ist die Fortsetzung von Christina Hachfeld-Tapukais ersten Buch, indem der Leser erfährt, wie sie ihren Lpetati trifft. In ihrem zweiten Buch ist sie inzwischen 20 Jahre mit dem Samburu-Krieger verheiratet und berichtet über den Alltag zwischen Deutschland, dem einfachen Dorf und ihrem Leben an der Küste. Da ich den ersten Teil nicht kenne, kann ich mich nur auf dieses Buch beziehen und keine Vergleiche ziehen. Schon der Einstieg in dieses Buch war für mich als Neuling etwas schwierig gestaltet. Statt in einer kurzen Einführung ihr Kennenlernen, die Hochzeit und weiter Etappen kurz anmerkt, beginnt Christina mit ihrer Rückkehr aus Deutschland. So wie es klingt, war sie fast ein halbes Jahr nicht mehr bei ihrem Mann und freut sich nun endlich ihn wiederzutreffen. Schon zu Beginn ihrer weiteren Geschichte sagt sie deutlich aus, dass sie inzwischen seit 20 Jahren mit ihrem Mann zusammen ist und nicht mit den gescheiterten Versuchen anderer Personen vergleichbar ist. Wer 20 Jahre in einem fremden Land lebt, sollte in meinen Augen allerdings mehr mit dieser Kultur vereint sein. Stattdessen bringt sie viele Beispiele, die mir als Leser verdeutlichen, dass sie auch nach 20 Jahren noch eine völlig Fremde in diesem Land ist. In meinen Augen kann nur eine Fremde so völlig falsche Aussagen treffen und ihre Mitmenschen im Grunde schlecht machen.
Ich selber war noch nie in Kenia oder anderen afrikanischen Ländern, außer Tunesien. Trotzdem habe ich viele Sachbücher über das Leben in den Slums gelesen. Wenn man dann liest, wie Christina zum Beispiel über den Wasserdiebstahl redet, kann man nur den Kopf schütteln. Sie spricht ehrlich davon, dass es öffentliche Wasserstellen gibt, die zwar oftmals einige Kilometer entfernt sind, aber jeden mit Wasser versorgen. Klar verstehe ich, dass sie nicht für geklautes Wasser bezahlen will, aber auf der anderen Seite ist dies typisch für solche Länder. Sie musste nie kilometerweit laufen und den schweren Wasserbehälter zurück tragen. Zudem ist es häufig so, dass es manchmal kein Wasser gibt.
Zum anderen will sie mit vielen Erzählungen aufzeigen, wie unzivilisiert, aber landschaftlich schön manche Bereiche sind, gerade wo ihr Dorf steht. Die Landschaft beschreibt sie atemberaubend. Aber nach 20 Jahren zu sagen, ich möchte einen vernünftigen Beton-Fußboden, um mal wischen zu können und Schlangen besser zu sehen. Glücklich klingt das für mich nicht. Wenn ich einen geschlossenen sauberen Raum möchte, dann heirate ich keinen solchen Mann, sondern bleibe in der Zivilisation.
Sie bemitleidet und bedauert andere Ausländer, die sich in Landsleute verlieben, oftmals alles aufgeben und hier nur ausgenutzt werden. Was unterscheidet sie denn von diesen Menschen. Sie fliegt für längere Zeit nach Deutschland, weil dort ihre Familie ist, hält sich wochenlang an der Küste auf, um dort genügend Geld zu verdienen und Besuch in einem schicken Haus zu empfangen. Sie bringt zahlreiche Geschenke mit, weil dies so sein muss. Sie versucht alles zivilisierter zu gestalten und vieles im Dorf zu verbessern. Ist das Geld wieder knapp, dann reist sie zurück an die Küste um Geld zu verdienen. Würde sie einmal ohne Gastgeschenke heimkehren, wären alle enttäuscht. Ohne Geld, ohne den gewissen Luxus wäre Christina auch dort nicht wirklich glücklich. Das Buch zeigt zwar die afrikanische Gesellschaft, das Land und auch viele einfache Menschen. Allerdings ist immer der Unterton von Geld, Luxus und das westliche Denken präsent. Das nimmt diesen Buch komplett den Charme, den Christina versucht zu vermitteln. Statt aufzuzeigen: Das ist ein wunderbares Land, ein tolles Volk! Seht her, entdeckt es für euch und lasst die Vorurteile weg. Bei ihr heißt es eher: Aufzeigen und bestätigen von westlichen Vorurteilen. Stellenweise kam bei mir ehrlich die Frage auf, ob die Autorin zum Zeitpunkt der Veröffentlichung unter Geldnot litt und einfach deswegen ein neues Buch geschrieben hat. Mir persönlich war die Autorin oftmals unsympathisch. Die Landschaft, die Tiere und die Weite beschreibt die Autorin wunderbar. An diesen Passagen macht das Lesen sehr viel Spaß. Doch gehen diese Augenblicke in Vorurteilen, kindischen Sätzen und den üblichen westlichen Klischees unter. Sie erzählt über weiße Farmer, die ihre Mitarbeiter irgendwie noch ausbeuten und dafür beklaut werden. Sie zeigt auf, dass 85-95% der Lieben alles nur Fake ist, um an das Geld zu kommen, die Orte außerhalb der Touristenregion noch total hinterwäldlerisch sind und nur wenige wirklich Geld haben. Einerseits völlig normal, aber sie stellt es so negativ dar. Wer redet aber so über seine Wahlheimat?!
Der Stil selbst ist ausschmückend und wird mit vielen afrikanischen Sätzen bestückt. Diese werden zu 90% von ihr übersetzt. Häufig verwendete Begriffe setzt sie aber später einfach voraus. Was ich auch in Ordnung finde. Leider sind die Geschichten oft gesprungen, um dann auf den roten Faden zurück zukommen. Diese Einblenden kann ich zeitlich nicht einordnen, finde sie oftmals belanglos und muss sagen, dass sie mich dadurch einfach nicht packt.
Allerdings ist mir neben den vielen Verallgemeinerungen und Vorurteilen ein Punkt aufgefallen, den ich sehr schade fand. Sie erzählt über Land und Leute, aber außer ihrem Mann und ihr, beides auf dem Cover, gibt es keinerlei Fotos. Als Leser einer Biographie möchte ich doch ihr Glück vor Augen haben. Wenn sie Personen nicht abdrucken möchte, hätte sie doch wenigstens Bilder von ihrem kleinen Haus, der Landschaft und ähnlichem verwenden können.
Sie hat recht, dass Corinne Hoffmanns Liebe nur ein aufregendes Abenteuer war und ihre Beziehung schon lange hält, aber ihr Werk strahlt keine Liebe aus und wirkt nicht authentisch und glücklich. „Die weiße Massai“ war prickelnd, erotisch, authentisch, warmherzig und voller Emotionen. Der emotionale Aspekt geht bei Christinas Erzählungen geht mir persönlich in Belanglosigkeiten, Vorurteilen und einem nicht packenden Stil unter. Zum Beispiel ist ihr Mann an Tuberkulose erkrankt und liegt im Krankenhaus. Auch wenn es noch knapp war, würde ich Panik schieben und Angst um diesen Menschen haben. Sie fährt, um die Behandlung zu zahlen an die Küste, ruft aber täglich an. Ihre Gefühle, Ängste, Sorgen und ähnliches werden dann aber nicht weiter erwähnt, stattdessen wird das Leben vor Ort geschildert, wie sie auf der Farm einer Freundin ist oder ähnliches. Dafür hätte ich persönlich gar keinen Kopf.

Lesen kann man das Buch, aber Christina hat mich nicht fesseln können. Ich hatte kein Interesse den ersten Teil zu lesen und hätte das Buch auch gerne nach der Hälfte bei Seite legen können. Es ist nicht schlecht, aber auch nicht authentisch oder gut. Wer den ersten Teil kennt und mag, sollte diese Fortsetzung lesen. Ansonsten kann ich sie nicht empfehlen.

===Bewertung===
„Der Himmel über Maralal“ berührt nicht, setzt auf Bestätigung aller westlicher Vorurteile und packt nicht. Statt den Leser emotional zu berühren, verschreckt die oftmals unsympathische Autorin eher. Dafür gibt es lediglich zwei Sterne.

===Leseprobe===

3 Kommentare:

  1. hallo Sarah,

    entschuldige wenn ich das so sage, aber man merkt, dass Du noch nie in Afrika warst geschweige denn dort gelebt hast...

    dass Du die Autorin unsympathisch findest ist eine rein subjektive Sicht der Dinge und überhaupt keine objektive Kritik dieses Buches... die Du ggf ja hier veröffentlichen möchtest..

    ich habe das Buch gerade durchgelesen und war letztes Jahr für 8 Monate in Namibia als volunteer tätig... habe somit dort gelebt, die afrikanische Stimmung noch mehr lieben gelernt- aber genau wie Frau Hachfeld auch, positive und negative Seiten kennen gelernt...
    ich hatte sogar eine kurze Beziehung zu einem sehr modernen Afrikaner und kann Frau Hachfeld nur in allen Beschreibungen zustimmen! Sie versucht nicht ihre afrikanischen Landsleute schlecht zu machen - ganz im Gegenteil... und sie hat sich bewußt für das Leben dort entschieden und liebt das Land und hat für ihre Ehe viele Entbehrungen auf sich genommen...

    Ich selbst mag dieses tpyisch europäische Denken , dass du beschreibst selbst nicht gern:
    aber wer einmal in Afrika war - Kenia und Namibia sind da sehr ähnlich - wird merken, dass es neben den tollen Landschaften, der relaxten Gangart der Afrikaner ein bestimmendes Thema gibt:
    Geld und Wohlstand der Europäer - jeder Afrikaner strebt danach und dieser scharfe Kontrast zwischen der Gelassenheit, Gläubigkeit und Herzlichkeit der Afrikaner und dem Drang auf Teufel komm raus ein wenig Wohlstand abzubekommen, den verstehe ich bis heute nicht...
    damit meine ich nicht, dass sie natürlich gerne mehr Geld hätten, um vernünftig leben zu können, auch fließend Wasser zu haben etc pp.
    Wenn Du mal dort gewesen wärst wüsstest Du, dass mitten in den Slums von Südafrika offene Wasserleitung einfach offen aufgedreht werden von den Bewohnern und sie den Wert nicht erkennen, da das kostbare Gut einfach im Boden versickert und niemand diese Hähne wieder zu dreht...
    es gibt viele Afrikaner die sich nur darüber definieren, ob sie ein europäisches Statussymbol besitzen: die einen BWM kaufen und fahren um erfolgreich zu wirken, aber zu hause auf dem Fußboden schlafen, weil sie kein Geld haben!!!

    Um es auf den Punkt zu bringen:
    Frau Hachfeld ist und bleibt Europäerin, die Afrika liebt und meines Erachtens alles versucht sich dort zu integrieren... aber sie ist halt nicht dort geboren, wird nie Teil des Ganzen sein...
    somit ist es einfach ein sehr authentischer und ehrlicher Bericht über jemand, der sich zwischen 2 sehr unterschiedlichen Kulturen bewegt und dass auch immer wieder betont...

    sehr schade, dass das bei Dir gar nicht angekommen sind, sondern Du es als abwertende Beschreibung empfunden hast.

    Ich kann nur bestätigen was sie schreibt: überall gibt es Licht und Schatten, und wenn irgendwo besonders viel Licht gibt (wie in Afrika durch die tolle Stimmung, die gewaltige Landschaft, die tollen ursprünglichen Menschen), da wirken die Schatten umso dunkler... (sprich, die negativen Dinge verwundern einen umso mehr...

    aber so ist es nun mal:
    ein und die selben Sätze können bei zwei Menschen total unterschiedlich ankommen...

    ich kann da Buch nur empfehlen für den Afrika-Interessierten, der auch bereit ist den negativen Aspekten bewußt und offen gegenüber zu treten...!

    Lieber Gruß
    Sandra

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  2. Buchkritiken sind nun mal subjektiv. Ich sag dir ja auch nicht, das was weiß ich Labskaus zum Beispiel das göttlichste Essen ist und nur weil du es eklig findest, du damit falsch liegst.
    Und wenn man sich die Kritiken von anderen Lesern ansieht, dann erkennt man, das ich mit meiner Meinung nicht alleine dastehe. Mag sein, dass es falsch angekommen ist, aber das ist ja kein Einzelfall.

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  3. ......ich kann mich Sandra nur anschliessen. Habe den "Himmel über Maralal" eben auch gelesen und war total begeistet.
    Ich fand im Gegensatz zur "Weissen Massai" eher die Erfahrungen und Rollen über die Europäer kritischer und wahrheitsgemässer geschildert, so dass man sich schon fragt, mit welcher Berechtigung werden derartige Forderungen gestellt? Sicher haben die Einheimischen (moderne Grossstädte mal ausgenommen) ein anderes Verhältnis zum Geld bzw. gar keine Möglichkeiten. Es fällt auch nicht vom Himmel und wir müssen kontinuierlicher dafür arbeiten, was jene Menschen gar nicht gewohnt sind. Die Wertvorstellungen sind überhaupt nicht vergleichbar, wobei bei uns die Schere auch immer weiter klafft und etliche Mitmenschen etwas demütiger und bescheidener sein könnten. Ich selbst habe diese Erfahrung mal in einem lateinamerikanischen Land gemacht. Die Vorstellungen von Europa und Amerika sind etwas zu blauäugig. Die Forderungen aller Familien- und Stammesmitglieder, die ihrerseits keinen derartigen Beitrag leisten können. finde ich reichlich hochgesteckt. Was wäre, wenn Frau H. nicht musizieren könnte um Geld zu verdienen und keine finanziellen Mittel hätte? Sie wäre genauso arm dran, wie die Ärmsten dort. Wer würde ihr dann helfen?
    Diese Beziehung war sicher ein Glücksfall, auch rein menschlich betrachtet, wenn man mal alle finanziellen und logistischen Aspekte ausser Acht lässt.
    Sicher ist es einfach, wenn man immer auch wieder die Rückzugsmöglichkeit nach Deutschland hat. Das ist auch nicht die harte Realität dort.
    Gewisse Kompromisse muss man eingehen in so unterschiedlichen Kulturen, aber wird nie einen Menschen vollkommen umkrempeln können. Das wäre wohl in keinem Sinne. So kann es ein schönes abwechslungsreiches Dasein in jeweils beiden Welten sein, aber in diesem Fall für die Frau. Fast schier unmöglich wäre ein Leben für den Mann hier in Europa.
    Kurzum habe ich grossen Respekt, wer so ein Abenteuer wagt und es wird in jedem Fall jeder anders erleben und dementsprechend schildern.......
    Lieber Gruss
    Heike

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